BEWERBUNG UM DEN PETER-PARLER-PREIS 2007

Objekt: Natursteinarbeiten am
Ehemaligen Zisterzienserinnenkloster Gnadental

Die Steinwerkstatt Stefan Machmer, Breslauer Str.2, 71254 Ditzingen

MASSNAHMENBESCHREIBUNG

kloster-gnadentalDie ehemalige Klosterkirche in Gnadental gehört zu der frühgotischen Klosteranlage eines Nonnenkonvents des Zisterzienserorden, deren Gründung auf eine Stiftung des Konrad von Krautheim aus dem Jahre 1243 zurückzuführen ist. Die Bauzeit der Kloster-kirche ist urkundlich nicht nachweisbar und liegt in der zweiten Hälfte des 13. Jahr-hunderts . 

Das Bauwerk entspricht in allen Einzelheiten den Baugewohnheiten der Zisterzienser und hält, ausgehend von den romanisch geprägten Bauproportionen und den noch erkennbaren Bauformen, vorallem in der schlicht gehaltenen Bauornamentik an der Romanik fest. Mit seinen gotischen Spitzbogenkonstruktionen und den flach ausgeführten Kreuzrippengewölben ist das Bauwerk somit ein bedeutendes Beispiel für die Bautätigkeit in der Übergangszeit zwischen Romanik und Gotik.

Die Klosteranlage wurde nach der Reformation immer weiter zurückgebaut, sodaß zur heutigen Zeit lediglich die Klosterkirche, das angrenzende Spitalgebäude sowie Reste des Kreuzganges an die ursprüngliche Bedeutung des Ortes erinnern.

Aufgrund der umfangreichen Schäden an der Fassade wurde Restaurator Albert Kieferle im Jahr 2000 mit den Planungsaufgaben beauftragt. Als Grundlage für die weiteren Arbeiten wurde die gesamte Fassade photogrammetrisch erfasst, hinsichtlich der Schadenbilder untersucht und eine detailierte Schadenskartierung erstellt. Der Grundgedanke der Fassadensanierung war die Beseitigung von möglichen Schadensursachen und ein weitestgehender Erhalt der historischen Substanz. Lediglich in ihrer Struktur stark verwitterte Werksteine wurden zum Austausch vorgesehen. Hierbei hatte die originalgetreue Rekonstruktion der historischen Bearbeitungstechniken und die originalgetreue Fugenausbildung äußerste Priorität.

Unter diesen Gesichtspunkten wurde eine denkmalschutzrechtliche Genehmigung eingereicht und die notwendigen Arbeiten nach Gewerken ausgeschrieben. In dieser Planungsphase wurde das Architekturbüro Röhm aus Schwäbisch Hall für das Ausschreibungsverfahren und die Bauleitung einbezogen.

Die Konservierungsarbeiten beinhalteten die Entsalzung des Sockelsmauerwerkes, die Steinkonservierung sowie die Fugenkonservierung an den historischen Luftkalk-mörteln. Im Gewerk Natursteinarbeiten wurden alle Steinerneuerungsarbeiten, das Einbauen von Vierungen sowie die Fugenerneuerung mit einem Neuverfugungsanteil von 25% ausgeschrieben. Aus Gründen des Bauablaufes wurde die Gesamt-sanierung in drei Bauabschnitte unterteilt, die seit 2003 jeweils in jährlicher Folge ausgeführt wurden.

In unserem Gewerk Natursteinarbeiten wurde vor der Angebotanforderung ein Teilnahmewettbewerb durchgeführt, bei dem etwa zehn Steinmetzbetriebe auf Musterplatten die am Objekt anzutreffenden Oberflächenbearbeitungen möglichst originalgetreu wiedergeben sollten. Anhand dieser Bearbeitungsmuster konnten von der Bauleitung und Mitarbeitern des Landesamtes für Denkmalpflege lediglich drei Firmen ausgewählt werden, die den qualitativen Anforderungen gerecht wurden und sich am anschließenden Ausschreibungverfahren beteiligen durften.

Im April 2004 wurden nach einer einführenden Bauberatung mit dem Landesdenkmalamt, bei der auf die Anforderungen deutlich hingewiesen wurde, mit der Ausführung begonnen. Dabei wurde festgelegt, daß alle bearbeiteten Werksteine vor dem Einbau einzeln abgenommen werden müssen. Nach unserem Aufmaß und der Materialbestellung wurde zum einen mit den Ausspitzarbeiten begonnen, zum anderen wurden in Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Werkzeugschmied die historischen Werkzeuge hergstellt und die historischen Bearbeitungstechniken erarbeitet. Die Bearbeitungsspuren am Objekt ließen mehrere Bearbeitungsarten mit eindeutigen Zuordnungen erkennen und ließen Rückschlüsse auf die Abmessungen der historisch verwendeten Werkzeuge zu. Neben diesen Maßangaben wurden durch Recherchen in der Fachliteratur und anderen Medien historische Abbildungen und Überlieferungen zur Rekonstruktionen der Werkzeuge und Bearbeitungstechniken herangezogen. Mit den nachgebildeten Werkzeugen wurden erneut Musterflächen angelegt. Hierbei wurde versucht, sich in die Arbeitsweise der mittelalterlichen Steinmetzen hineinzuversetzen, um die Arbeitsschritte bei der Flächenbearbeitung möglichst genau rekonstruieren zu können. Dabei stellte sich heraus, daß neben der Werkzeugfolge und der Führung derselben, auch der Abnutzungsgrad der Werkzeugschneide einen bestimmenden Einfluß hat. Desweiteren erwies sich auch die Lage der zu bearbeitenden Fläche und der Standort des Steinmetzen als charakteristisch. Mit diesen Erkenntnissen wurden über mehrere Musterflächen die Werkzeuge immer wieder modifiziert, um eine nahezu identische Oberflächenbearbeitung zu erreichen.

Der Schwerpunkt bei den Steinerneuerungsarbeiten lag im salz- und feuchte-geschädigten Sockelbereich und im Bereich der niederschlagsbelasteten Gesimse und Fensterbänke. Für diese Bereiche mußten gepillte, das heißt mit einer schmalen Glattfläche bearbeitete Mauerquader, Gesimsstücke und Fensterbänke hergestellt werden. Desweiteren wurden zahngeflächte, profilierte Leibungssteine mit einem Kerbschnittornament für das östliche Südportal, sowie zahngeflächte Eckquader- und Gesimssteine mit einer sehr charakteristischen Werkzeugführung hergestellt. Die Oberflächenbearbeitung erfolgte bei beiden Bearbeitungsarten nach Möglichkeit in Schräglage durch Zurücksetzen der gesägten Fläche um mindestens zwei Zentimeter, um die überlieferte Werkzeugfolge mit den jeweils charakteristischen Spuren sichtbar zu machen.

Der Einbau erfolgte in die vorbereiteten Aussparungen mit einem werksgemischten Kalkmörtel. Bei der Fugenausbildung wurde auf die möglichst enge Fugenausbildung Wert gelegt.

Als weitere Maßnahme im Gewerk Natursteinarbeiten wurden kleinteilige Fugenerneuerungen im herkömmlichen Sinne als gekratzte Mörtelfuge ausgeführt.

Vorallem im Bereich des Traufgesimses waren große Fugenbereiche so stark ausgewittert, daß die Dachauflast lediglich über einige Druckpunkte, in Form von in den Fugen verbliebenen Steinplättchen abgetragen werden konnte und ein ausreichend tragfähiger Mauerwerksverband nicht mehr gewährleistet war. Nach Abstimmungen mit der Bauleitung und dem Landesdenkmalamt wurden diese Bereiche mit Hinterfüllmörtel bis in eine Tiefe von 80 cm verstopft und teilweise mit einer Ausgleichschicht aus Sandsteinbruchsteinen versehen. Von einer Verpressung der Hohlräume mit einer Suspension wurde aus Gründen des schon instabilen Mauerwerkes und der nicht ausreichend abzudichtenden Fugen Abstand genommen.

Am Strebepfeiler auf der Südseite mußten defekte Verkleidungsplatten aus einer früheren Sanierungsmaßnahmen entfernt werden. Dahinter wurde die nahezu intakte, historische Oberfläche des Strebepfeilers vorgefunden, die vorsichtig freigelegt und gereinigt wurde. Die vorgefundenen Mauerwerksstrukturen wurden teilweise mit Bruchsteinen ergänzt und mit Fugenmörtel neu verfugt. So konnte der historische Zustand des Strebepfeilers wieder sichtbar gemacht werden.

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